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            [Rezension] Meine Schwester, die Serienm"orderin |Oyinkan Braithwaite

            [Rezension] Meine Schwester, die Serienm

            Titel: Meine Schwester, die Serienmörderin

            Autorin: Oyinkan Braithwaite

            Übersetzerin: Yasemin Dinçer

            Format: E-Book

            Preis: 20,00 €

            Seitenzahl: 240 Seiten

            Verlag: Aufbau Verlag

            ISBN: 978-3-351-05074-0

            Bewertung: 4 Sterne

            Rezensionsexemplar

            Inhalt

            Zwei Schwestern wie Tag und Nacht. Ayoola, ist das Lieblingskind. Sie ist wunderschön aber unbeständig und hat eine schlechte Angewohnheit: sie tötet ihre Männer. Korede ist sehr viel praktischer veranlagt und räumt immer wieder hinter ihrer Schwester auf. Als Krankenschwester kennt sie jeden Trick, um Blut perfekt zu entfernen und auch ihr Kofferraum hat genügend Platz, um eine Leiche zu transportieren.
            Als sich Tade, der hübsche Arzt aus dem Krankenhaus für den eigentlich Korede schwärmt, in Ayoola verliebt, ist Korede aufgewühlt. Sie stellt sich die Frage, wie gefährlich ihre Schwester wirklich ist und wen sie vor wem beschützen muss?


            Recht spontan habe ich „Meine Schwester, die Serienmörderin“ bei NetGalley angefragt. Der Klappentext hat mich direkt angesprochen, die Leseprobe war spannend und das Cover fand ich einfach sehr interessant. Ich muss vorab sagen, dass ich zwar etwas anderes erwartet habe, das Buch aber dennoch wirklich toll war.

            Ohne Umschweife wirft die Autorin uns Leser ins Geschehen. Korede wird von ihrer Schwester angerufen und sie weiß: es ist schon wieder passiert. Ayoola hat einen jungen Mann getötet und Korede muss hinter ihrer kleinen Schwester aufräumen. Schließlich hat sie keine Wahl. Ayoola ist ihre Schwester und somit muss sie dafür sorgen, dass ihr nichts geschieht. Auch wenn sich Ayoola selbst in diese Lage gebracht hat, so kann Korede nicht anders, als für sie einzustehen und ihr zu helfen. Akribisch putzt sie das Blut von den Wänden, verstaut die Leiche in ihrem Kofferraum und lässt diese gemeinsam mit Ayoola verschwinden. Sie versucht ihrer jüngeren Schwester klar zu machen, dass das nicht noch einmal passieren darf, doch gleichzeitig ist sie sich nicht sicher, ob Ayoola weiß, was sie da tut und ob ihr bewusst ist, welche Tragweite ihre Taten haben können.
            Korede war mir von Anfang an sympathisch und gleichzeitig hat sie ein Stirnrunzeln bei mir hervorgerufen. Ich habe mir ständig die Frage gestellt, was ich getan hätte. Hätte ich meinem Bruder geholfen eine Leiche zu beseitigen? Hätte ich ihn gedeckt, egal was passieren würde? Ich kann diese Frage nicht wirklich beantworten und weiß nicht, ob es mir jemals gelingen würde. Nicht, dass meine Beziehung zu meinen Brüdern schlecht wäre, das ist sie nicht, aber ein Mord? Könnte ich das mit meinem Gewissen vereinbaren?
            Korede kann es auch nur halb, denn auch ihr kommen Zweifel, ob sie das Richtige tut. Nicht nur für Ayoola, sondern auch für die Familie ihres Opfers und für sich selbst. Dennoch schweigt sie und beschützt ihre Schwester weiterhin. So, wie es immer war. Denn nach und nach bekommen wir Leser einen Einblick in das Leben von Koredes Familie. Der Vater starb schon vor einigen Jahren, der Mutter ist es vor allen Dingen wichtig, dass ihre noch unverheirateten Töchter endlich einen Mann finden und Ayoola scheint immer nur an sich selbst zu denken.

            Ich kenne mich nicht mit den Familiendynamiken in Nigera aus, deshalb kann ich hier nur beschreiben, was ich aus dem Buch herausgezogen habe. Es scheint in dieser Familie so zu sein, dass alle das zu tun hatten, was der Vater sagte. Koredes Familie scheint recht wohlhabend zu sein, da sie Angestellte haben, die das Essen zubereiten und das Haus in Schuss halten. Die Mutter kümmert sich ausschließlich um ihre Kinder und darum, dass diese gut versorgt werden. Natürlich von einem geeigneten Mann. Als der Vater stirbt scheint dieser Wunsch der Mutter nur noch größer zu sein, allerdings legt sich ihr Hauptaugenmerk definitiv auf Ayoola, die wunderschöne jüngere Tochter. Was hinter dieser jungen Frau steckt, weiß allein Korede und die spricht nicht darüber.
            So viel Selbstbeherrschung hätte ich vermutlich nicht. Alle machen Korede klein, beschreiben sie als blass und weniger schön, wenn sie neben Ayoola steht. Niemand scheint sie wirklich wahrzunehmen, wenn ihre Schwester auch da ist und keiner kann glauben, dass sie überhaupt verwandt sind. Korede liebt ihre Schwester sehr und möchte eigentlich nur das Beste für sie und dennoch hegt sie einen Groll gegen sie. Es scheint, als würde ihrer Schwester einfach alles zufliegen und egal was sie auch tut und sagt, jeder liebt sie. Für Korede gilt das alles nicht. Sie muss sich ihren Erfolg erarbeiten, sie wird nicht von Männern umschwärmt und sobald sie etwas gegen ihre Schwester sagt, wird sie als eifersüchtige, hässliche Schwester dargestellt, die niemandem etwas gönnt.

            Diese Tatsache kommt vor allem dann zum Tragen, als Ayoola Tade kennen lernt, in den Korede schon so lange verliebt ist. Und natürlich ist Korede alarmiert, schließlich neigt ihre Schwester dazu irgendwann die Männer in ihrem Leben zu töten. Der Zusammenhalt der Schwestern verschiebt sich, denn Korede weiß plötzlich nicht mehr für wen sie einstehen soll. Kann sie ihrer Schwester vertrauen oder soll sie Tade warnen? Und wenn sie etwas zu Tade sagt, was wird er dann tun? Wäre das nicht Verrat an ihrer Schwester? Gerade diese Gedankengänge und ihre Handlungen fand ich wirklich großartig beschrieben. Der Autorin gelingt es einfach wunderbar die Ungleichheit der Schwestern darzustellen und gleichzeitig zu zeigen, wie unsicher und verzweifelt Korede ist. Sie hat sich nie von ihrer Familie frei gemacht und muss sich nun die Frage stellen, ob sie es tun kann oder besser: ob sie es tun soll, um einen anderen Menschen eventuell zu retten.

            Die Art und Weise wie Oyinkan Braithwaite schreibt und erzählt hat mich komplett abgeholt. Die Kapitel sind teilweise sehr kurz und mit wenigen Sätzen bereits zu Ende. Sie schreibt nicht ausschweifend oder ausführlich, sondern prägnant und klar. Man kann die Gefühlswelt der Protagonistin wunderbar nachvollziehen und ich habe mit Spannung verfolgt, wie es weitergehen wird. Es ist mir wirklich schwer gefallen das Buch zur Seite zu legen und die kurzen Kapitel helfen dabei natürlich nicht. Die Geschichte liest sich, trotz der ernsten Thematik, wirklich leicht, denn die Handlung ist spannend und diese eine große Frage „Was wird Korede tun“ begleitet einen die ganze Zeit.

            Fazit

            Ich habe nicht damit gerechnet, um was es in diesem Buch tatsächlich ging und doch konnte mich die Geschichte wirklich fesseln. Die Familiendynamik von Koredes Familie ist unglaublich spannend dargestellt und der Zusammenhalt der Schwestern fast greifbar. Die Problematik der Handlung zieht sich komplett durch das Buch, weshalb man es kaum aus der Hand legen kann. Die kurzen und prägnanten Kapitel tun ihr übriges dazu. Dieses Buch ist unterhaltsam, spannend und eine klare Empfehlung!


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